Dieses Blog durchsuchen

Mittwoch, 2. August 2017

Alles Gute, AUG - 40 Jahre Sturmgewehr 77

Bruckneudorf/Österreich (ww) Das österreichische Bundesheer hat auf dem Truppenübungsplatz Bruckneudorf den 40. Geburtstag seiner Standard-Langwaffe Sturmgewehr StG77 begangen.
Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil übergab zu diesem Anlass das neueste Modell der Waffe an Soldaten der Kaderpräsenzeinheiten und an die Militärstreife,
Minister Doskozil übergibt die neue Version des StG77 an die Truppe. (Foto: Bundesheer)

"Mit der Einführung der neuen Variante des StG77 ist ein weiterer Schritt in Richtung Verbesserung des Schutzes unserer Soldatinnen und Soldaten gewährleistet", so der Minister. Bereits seit 2016 investiert die Alpenrepublik jährlich etwa 10 Millionen Euro in die Bewaffnung ihrer Soldaten. Für die Infanterie und Spezialkräfte wurde die neue Version des StG 77 angeschafft, die nun zur Truppe zuläuft.

Bundesheer als Bullpup-Pionier
Rückblick: Als die USA in den 1960er Jahren den Schritt zum kleineren Kaliber 5,56 x 45 mm gingen, sorgte das nicht nur in der NATO für Beachtung. Auch im neutralen Österreich gab es Überlegungen, eine neues Standard-Infanteriegewehr einzuführen. In enger Zusammenarbeit mit dem Amt für Rüstung und Wehrtechnik entwickelte Steyr Daimler Puch (heute Steyr Mannlicher) Konzepte für ein Armee Universalgewehr (AUG). 1970 lag der erste Prototyp vor. Nach einigen Schwierigkeiten erlangte die von Friedrich Dechant, Wolfgang Stoll, Horst Wesp und Ulrich Zedrosser entwickelte Waffe letztlich Serienreife. 1977 entschied das Bundesheer, das Steyr AUG als „Sturmgewehr 77“ einzuführen. Die Produktion begann 1978.
Das AUG A3 SF. Diese bildet die Ausgangsbasis für das neue StG77A1 KPE und das StG77A2 KDO. (Foto: JPW) 

Die Streitkräfte der Alpenrepublik gehörten damit nicht nur zu den Bullpup-Pionieren. Vielmehr erhielten sie mit dem Gasdrucklader mit Drehkopfverschluss auch eine Waffe, bei der große Teile aus Kunststoff bestanden. Noch dazu kam das Sturmgewehr 77 serienmäßig mit einer optischen Visierung. Die Waffe schießt bei kurzem Betätigen des Abzugs Einzel- und bei Durchziehen Dauerfeuer. Der Magazinhaltehebel sitzt unten am Kolben hinter dem Magazinschacht und lässt sich beidseitig gut erreichen. Die Sicherung ist als Querschieber ausgelegt – ähnlich dem deutschen Maschinengewehr MG3.
Das StG77 lässt sich mit wenigen Handgriffen werkzeuglos zerlegen. (Foto: JPW)

Steyr-Mannlicher entwickelte die Waffe seither weiter. Während im Bundesheer meist noch die Varianten A1 und A2 dienen, liegt inzwischen die modernisierte Ausführung A3 vor. Diese bildet auch die Ausgangsgröße für die neue Version STG77 A1 KPE. Hier sitzen Mil-Std 1913-Schiene auf dem Gehäuse der Optik. Weitere seitliche „Pica-Rails“ bieten Montagemöglichkeiten für zusätzliche Anbaugeräte. Ebenso brachten die Konstrukteure auf der linken Kolbenseite eine Verschlusslösetaste an. Damit lässt sich nach Wechsel des leergeschossenen Magazins der hinten gefangene Verschluss wieder schnell nach vorne bringen.
Jagdkommando-Operators mit StG77 A2 Kdo (Foto: Bundesheer)
Das kampferprobte Jagdkommando des Bundesheeres erhielt unterdessen die Variante AUG A3 SF (StG 77 A2 Kdo). Es gibt darüber hinaus auch eine AUG-Version mit Mil-Std 1913-Schiene statt sereinmäßiger Optik auf der Gehäuseoberseite.

Keine kurze Geschichte
Das AUG konnte auch im Ausland einigen Erfolg erzielen – unter anderem als Standardgewehr F88 der australischen Streitkräfte. Egal, ob in Mitteleuropa, ob im alpinen Hochgebirge oder im staubigen australischen Outback – das StG77 erwies sich als robust und zuverlässig.
Australischer Digger mit Austeyr F88A2 und M203PI-Grenade Launcher Attachment. (Foto: MoD Australia)

Kein Wunder, dass Steyr-Mannlicher sein AUG weiter bewirbt, selbst wenn der österreichische Traditionshersteller mit seinem STM556 inzwischen auch ein AUG in AR-15-Architektur im Programm hat. In Kooperation mit Rheinmetall bietet Steyr Mannlicher die Variante RS556 für die Bundeswehr-Sturmgewehrausschreibungen an.
Rheinmetall/Steyr-Mannlicher RS556 (Foto: JPW)
Die heute zu Thales gehörige australische Waffenschmiede Lithgow Arms – sie baute das AUG als F88 in Lizenz – hat ihrerseits eine modernisierte Version herausgebracht. 2012 stellten Thales und Lithgow Arms auf der Rüstungsmesse Eurosatory die weiterentwickelte Austeyr-Variante vor. Die als „F90“ bezeichnete Waffe basiert auf dem verbesserten Austeyr F88A2-Sturmgewehr. Die Konstrukteure legten vor allem Wert auf Gewichtsreduktion und verbesserte Ergonomie. Das äußerte sich in einem gefluteten Lauf, einem neuen Verschluss und einer neuen kombinierten Gehäuse/Lauf-Baugruppe. Ein Verschlusslösehebel ähnlich wie beim AUG A3 soll den taktischen Magazinwechsel verschnellern und ein Deflektor am Auswurffenster das links angeschlagene Schießen optimieren. Zum F90 gehört auch ein schnell zuzurüstender 40mmx46-Granatwerfer, der sich seitlich öffnen lässt.
Thales/Lithgow-Arms F90 (Foto: JPW)
Nachdem das F90 in seiner Heimat Down Under eine intensive Testphase mit mehr als einer Million verfeuerter Patronen erfolgreich durchlaufen hatte, zeigten sich die australischen Streitkräfte überzeugt. Am 23. September 2014 beauftragten sie für ihr Soldier Modernisation Programme „Land 125“ eine „Low Rate Initial Production” (Anfangsserie) der Bullpupwaffe. Kein Jahr später folgte der Serienauftrag für die nun Enhanced F88 (EF88) genannte neue Standardwaffe. Insgesamt 30 000 Stück sollen in unterschiedlichen Ausführungen bis 2021 zulaufen. Neben der Standardwaffe mit 20-Zoll-Lauf wird es eine Kurzversion mit 16-Zoll-Lauf geben.

Weitere Informationen
Aus Anlass des 40jährigen Jubiläums veröffentlichte das Bundesheer einen sehenswerten Kurzfilm über seine Standardwaffe.

Mehr zu aktuellen Sturmgewehrentwicklungen in dem aktuellen VISIER Special 83 „Moderne Sturmgewehrsysteme“  und in dem Wehrtechnischen Report 5/2016 Handwaffen und Kampfmittel.

www.bundesheer.at
www.steyr-mannlicher.com
www.rheinmetall-defence.de
www.thalesgroup.com
www.lithgow-arms.com

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen